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BayernGymnasium (G9)

Lerninhalte in Politik und Gesellschaft

Aufgabe III – Modernisierungsprozesse und ihre Auswirkungen auf die soziale Ungleichheit und den Sozialstaat sowie Soziologische Theorie

Modernisierungsprozesse und ihre Auswirkungen auf die soziale Ungleichheit und den Sozialstaat sowie Soziologische Theorie

Prüfungsteil A

1

Stelle Kontinuität und Wandel der Rolle der Frau im Überblick dar!

16 BE

2

Zur Erklärung der Vielfalt von Lebensentwürfen in der modernen Gesellschaft lässt sich unter anderem die Individualisierungshypothese heranziehen.

2.1

Arbeite aus dem Text M 1 Merkmale der ersten und zweiten Moderne nach dem Verständnis des Soziologen Ulrich Beck heraus!

2.2

Bewerte ausgehend vom Text M 1 Chancen der zunehmenden Individualisierung für die eigene Lebensgestaltung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in modernen Gesellschaften!

35 BE

3

Modernen Gesellschaften gelingt es in unterschiedlichem Maße, soziale Mobilität zu ermöglichen.

3.1

Analysiere und interpretiere den Auszug M 2 aus der Graphic Novel „Scheiblettenkind“ von Eva Müller im Hinblick auf Aufstiegschancen und -barrieren in Deutschland!

3.2

Beurteile ausgehend vom Auszug aus der Graphic Novel M 2 die Beeinflussbarkeit sozialer Ungleichheit durch individuelles Verhalten bzw. durch staatliche Maßnahmen!

34 BE

Prüfungsteil B

4

Bearbeite eine Halbjahresaufgabe entweder zu 12/1 oder 12/2.

35 BE
120 BE

Ausweitung zum Halbjahr 12/1

1

Beurteile die in dem Artikel der Zeitung „DIE ZEIT“ dargestellten hybriden Maßnahmen hinsichtlich ihres Gefährdungspotentials für Gesellschaft und Staat!

2

Diskutiere ausgehend von dem Artikel am Beispiel Deutschlands die Wirksamkeit staatlicher Möglichkeiten, gegen hybride Maßnahmen vorzugehen!

Material: Eva Wolfangel auf der Homepage der Zeitung „DIE ZEIT“ vom 15. Februar 2025 über russische Einflussversuche

Im Vorfeld der Bundestagswahl, die am 23. Februar 2025 stattfand, warnten Sicherheitsbehörden vor zunehmenden Einflussversuchen aus dem Ausland, vor allem aus Russland.

1
Das aktuelle Ziel Russlands ist es […] nach einhelliger Ansicht von Expertinnen und Exper-
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ten vor allem, Chaos zu stiften und Vertrauen in die Demokratie zu erschüttern. Dabei spie-
3
len sowohl Cyberangriffe und Sabotageaktionen wie Brandanschläge oder zerstörte Fahr-
4
zeuge eine Rolle als auch Desinformation in den sozialen Medien. Die Kampagnen sollen
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nicht nur Schaden an IT-Systemen oder Infrastrukturen anrichten, sie sollen auch in den
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Köpfen der deutschen Bürgerinnen und Bürger wirken: Sie sollen Unsicherheit erzeugen.

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Russland nutze es, wenn „der Feind“ beschäftigt ist, sagt Julia Smirnova. Die Forscherin be-
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schäftigt sich seit vielen Jahren mit russischen Desinformationskampagnen, heute arbeitet
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sie bei Cemas, einer gemeinnützigen Organisation, die sich auf die Sichtbarmachung von
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Verschwörungsideologien, Desinformation und Rechtsextremismus im Internet spezialisiert
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hat. „Je schwächer westliche Demokratien sind und je stärker sie mit internen politischen
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Auseinandersetzungen beschäftigt sind, desto weniger Kapazitäten haben sie für ihre au-
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ßenpolitischen Interessen.“

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Dabei spielen soziale Medien und das Internet eine große Rolle. Schon im Sommer 2024
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warnten der Verfassungsschutz und das Auswärtige Amt vor gefälschten Medienseiten:
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Websites großer deutscher Nachrichtenseiten wurden demnach kopiert und mit gefälschten
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Artikeln bestückt, die Ängste schüren sollen – vor einem Krieg in Europa, vor Energieknapp-
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heit, vor ukrainischen Geflüchteten. Das Narrativ: Europa ist schwach, Europa hat nicht ge-
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nug Energie und die Bürgerinnen und Bürger werden frieren müssen, Europa nimmt zu viele
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ukrainische Flüchtlinge auf. Diese prorussischen Erzählungen werden in sozialen Medien
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weiterverbreitet, wo scheinbar besorgte Bürger dann zum Beispiel schreiben, dass Deutsch-
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land unter ukrainischen Flüchtlingen leide.

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Diese als Doppelgänger-Kampagne bekannte Aktion ist auch jetzt, im Wahlkampf, weiter ak-
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tiv. Cemas fand auf der Plattform X im Januar 680 deutschsprachige Posts mit typischen
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Doppelgänger-Merkmalen, die auf den Wahlkampf abzielten. Cemas-Gründerin Pia Lam-
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berty sagt, die Kampagne fokussiere sich auf verschiedene Parteien wie die Grünen und die
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CDU. Eine mit dem Kreml assoziierte Agentur erstelle die Inhalte der Kampagne. Laut Meta,
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dem Unternehmen hinter Facebook und Instagram, werden dafür sogar ganze Redaktionen
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aufgebaut, die Journalisten beschäftigen. […]

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Ein weiterer Teil der russischen Strategie läuft analog ab. […] Erst kürzlich wurde bekannt,
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dass solche wohl vom Kreml beauftragten Kriminelle in Deutschland in großem Stil Auspuff-
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rohre mit Bauschaum verklebt hatten – eine Aktion, die offenbar Stimmung machen sollte ge-
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gen die Umweltbewegung und speziell gegen die Grünen. Ein Aufkleber mit dem Foto von
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Robert Habeck1 und dem Spruch „Sei grüner“ prangte auf den Windschutzscheiben der be-
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troffenen Fahrzeuge. […] Schon die Angst vor dem Effekt einer Desinformationskampagne
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sei ein Erfolg von Desinformation, sagt auch Pia Lamberty.

1Robert Habeck war von 2021 bis 2025 Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz und im Wahlkampf für die Bundestagswahl 2025 Kanzlerkandidat der Partei „Die Grünen“.

Quelle: Eva Wolfangel: Desinformation und Cyberangriffe. Stimmt das eigentlich, dass Russland versucht, die Wahl zu beeinflussen?, Onlineausgabe DIE ZEIT vom 15. Februar 2025, https://www.zeit.de/digital/internet/2025-02/desinformation-cyberangriffe-russland-bundestagswahl-einfluss/komplettansicht (Stand: 8. September 2025).

Ausweitung zum Halbjahr 12/2

In deinem Kurs im Fach Politik und Gesellschaft hältst du ein Referat zum Thema „Menschenrechte in Verfassungsnorm und Verfassungsrealität am Beispiel Georgiens“. Bei deinen Recherchen stößt du auf den Zeitungsartikel (Material 1) und das Zitat aus der Verfassung (Material 2).

1

Überprüfe, inwiefern sich die Materialien 1 und 2 als Grundlage für dein Referat eignen!

2

Diskutiere ausgehend von den Materialien 1 und 2 Möglichkeiten und Grenzen der Demokratieförderung von außen!

Material 1: Das Magazin „Der Spiegel“ am 17. September 2024 über die aktuelle Situation in Georgien

1
Georgiens Abgeordnete haben in dritter und letzter Lesung ein umstrittenes Gesetz zum
2
Schutz von „Familienwerten und Minderjährigen“ verabschiedet. Es umfasst umfangreiche
3
Einschränkungen für queere Menschen und verbietet angebliche „LGBT-Propaganda“1.

4
Mit dem Gesetz können Behörden im EU-Beitrittsland künftig gleichgeschlechtliche Ehen, die
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Adoption von Kindern durch LGBTQ-Personen und medizinische Eingriffe zur Geschlechts-
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angleichung verbieten. Auch Pride-Veranstaltungen und LGBTQ-Demonstrationen dürfen
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verboten werden. Bücher und Filme, die gleichgeschlechtliche Beziehungen zeigen, können
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zensiert werden, das Zeigen der Regenbogenfahne darf verboten werden.

9
Das Gesetz stammt von der Regierungspartei „Georgischer Traum“ und nimmt sich ein ähn-
10
lich einschneidendes russisches Gesetz zum Vorbild. Die Regierungspartei argumentiert,
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das Gesetz sei notwendig, um die traditionellen moralischen Standards in Georgien zu
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schützen. Die zutiefst konservative orthodoxe Kirche hat großen Einfluss im Land.

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Mit dem Anti-LGBTQ-Gesetz verabschiedet sich Georgien weiter von Brüssel. Erst im Juni
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hatten die Abgeordneten von „Georgischer Traum“ ein umstrittenes Gesetz zur „ausländi-
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schen Einflussnahme“ in Kraft gesetzt. Kritiker sehen in dem Gesetz eindeutige Parallelen
16
zum 2012 in Russland verabschiedeten Gesetz gegen „ausländische Agenten“, das es den
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dortigen Behörden ermöglicht, massiv gegen regierungskritische Medien und Organisationen
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vorzugehen.

19
Auch das neue Gesetzesvorhaben hat Kreml-Parallelen: Moskau verabschiedete bereits vor
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zehn Jahren ein Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“, das unter dem Vorwand des
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Kinderschutzes Inhalte mit „nicht traditionellen“ Beziehungen verbietet. Russland weitete das
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Gesetz 2022 aus, um letztendlich jegliche Darstellung von Mitgliedern der LGBTQ-Commu-
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nity in der Öffentlichkeit zu ächten. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch,
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schwul, bisexuell, transgender und queer. […]

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Georgien ist seit Dezember [2023] offiziell EU-Beitrittskandidat. Der EU-Beitritt ist in der Ver-
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fassung des Landes verankert und wird laut Meinungsumfragen von mehr als 80 Prozent der
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Bevölkerung unterstützt. Der aktuellen Regierung wird jedoch vorgeworfen, die ehemalige
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Sowjetrepublik wieder an Moskau annähern zu wollen. Ein Großteil der Menschen im Land
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ist mit dem gegenwärtigen Regierungskurs unzufrieden, EU-Flaggen werden auf den Mas-
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sendemos geschwenkt.

1Hier wird die Verwendung des Begriffs in der georgischen Gesetzgebung zitiert. Verbreiteter sind die Formulierungen „LGBTQ“ oder „LGBTQIA+“, die weitere Identitäten von Geschlecht und Sexualität aufgreifen.

Quelle: Der Spiegel: Georgien verabschiedet umstrittenes Anti-LGBTQ-Gesetz, Onlineausgabe Der Spiegel vom 17. September 2024, https://www.spiegel.de/ausland/georgien-verabschiedet-umstrittenes-anti-lgbtq-gesetz-a-732eaf59-e2e5-42eb-8ece-b5f03bfb1eae (Stand: 11. September 2025).

Material 2: Auszug aus der Verfassung Georgiens vom 24. August 1995 in der Fassung vom 23. März 2018

1
Kapitel II, Artikel 11. Recht auf Gleichbehandlung

2
1. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Es ist verboten einen Menschen wegen seiner
3
Rasse1, Hautfarbe, seines Geschlechts, Herkunft, ethnischen Zugehörigkeit, Sprache, religi-
4
öser, politischer oder anderer Anschauungen, sozialen Zugehörigkeit, des Vermögensstan-
5
des oder seines Grades, des Wohnsitzes oder anderweitiger Merkmale zu diskriminieren.

1Der Begriff „Rasse“ findet hier wie in vielen anderen Verfassungstexten abgeleitet von der englischsprachigen Nutzung Verwendung und ist eher im Sinne der Begriffe „Herkunft“ oder „Ethnie“ zu verstehen. Die Einteilung von Menschen in Rassen ist wissenschaftlich falsch und nicht möglich.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (Hrsg.): Georgische Gesetze auf Deutsch, Tbilissi 2020, S. 9.

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