Aufgabe 1 – Silicium – ein Rohstoff mit Zukunft
Silicium findet in unterschiedlichen Reinheitsgraden Verwendung, unter anderem bei der Herstellung von Solarzellen und Computerchips. Bis 2027 ist mit einer jährlichen globalen Siliciumproduktion von 12 Millionen Tonnen zu rechnen.
Zeige rechnerisch, dass die Reduktion von Quarzsand mit Magnesium bei einer Temperatur von exergonisch abläuft (M 1).
Begründe durch eine Betrachtung der Vorzeichen, dass die Reduktion von Quarzsand mit Kohlenstoff erst ab einer bestimmten Grenztemperatur exergonisch abläuft (M 1).
Gib eine Strukturformel eines Trichlorsilan-Moleküls an und stelle eine Reaktionsgleichung für die Umsetzung von Rohsilicium zu Trichlorsilan auf (M 2).
Kennzeichne für diese Reaktion Oxidation und Reduktion unter Angabe aller Oxidationszahlen (M 2).
Stelle ausgehend von der beschriebenen Prozessführung eine Hypothese auf, ob die Bildung von Trichlorsilan exotherm oder endotherm verläuft (M 2).
Stelle für die Reaktion von Flusssäure mit Siliciumdioxid eine Reaktionsgleichung auf und erläutere an diesem Beispiel das Säure-Base-Konzept nach Brønsted (M 3).
Berechne den pH-Wert der beschriebenen Flusssäure (M 3).
Hinweise: Das Fluorwasserstoff-Molekül kann als schwache Säure betrachtet werden.
Verdünnte Flusssäure hat eine Dichte von etwa
Beurteile, inwiefern die Bezeichnung „Flusssäure“ fachsprachlich problematisch ist (M 3).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material M 1: Herstellung von Silicium
Im Labormaßstab kann Silicium durch Reduktion von Quarzsand mit unedlen Metallen gewonnen werden, z. B. mit Magnesium:
Im industriellen Maßstab wird Silicium durch Reduktion von Quarzsand mit Kohlenstoff im Lichtbogenofen bei Temperaturen von etwa hergestellt.
Zur thermodynamischen Analyse dieser Reaktionen sind die in Tabelle 1 angegebenen Daten erforderlich.
Tabelle 1: ausgewählte thermodynamische Daten
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Schmelztemperatur in |
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Material M 2: Vom Rohsilicium zum Reinsilicium
Das durch die Reduktion von Quarzsand gewonnene Silicium enthält zahlreiche Verunreinigungen und wird daher als Rohsilicium bezeichnet. Für die Anwendung in der Mikroelektronik oder für Solarzellen muss das Rohsilicium zu Reinsilicium gereinigt werden. Dies geschieht im Siemens-Verfahren.
Dabei wird Silicium zunächst bei bis
mit Chlorwasserstoff zu Trichlorsilan
und Wasserstoff umgesetzt. Durch mehrfache Destillation wird reines Trichlorsilan abgetrennt. In einem weiteren Schritt wird Trichlorsilan mit Wasserstoff an beheizten Reinsiliciumstäben bei
bis
wieder thermisch zersetzt.
Material M 3: Reinigung von Wafern mit Flusssäure
Silicium wird in Form dünner Scheiben, sogenannter Wafer, als Basis für die Herstellung von Mikrochips verwendet. Dabei stört auf der Oberfläche gebildetes Siliciumdioxid. Zu dessen Entfernung wird eine wässrige Lösung von Fluorwasserstoff Massenanteil
eingesetzt. Diese Lösung wird auch als „Flusssäure“ bezeichnet. Wirkt Flusssäure auf Siliciumdioxid ein, so bildet sich unter anderem gasförmiges Siliciumtetrafluorid
Quellen (ggf. verändert):
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M 1: |
https://de.wikipedia.org/wiki/Silicium (Zugriff am: 07.10.2025) Tabelle 1: eigene Darstellung |
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M 2: |
https://www.periodensystem-online.de (Zugriff am: 07.10.2025) |
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M 3: |
https://de.wikipedia.org/wiki/Silicium (Zugriff am: 07.10.2025) |
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Für die Reaktionsenthalpie gilt:
Für die Reaktionsentropie ergibt sich:
Bei einer Temperatur von ergibt sich in der Gibbs-Helmholtz-Gleichung:
Da die freie Reaktionsenthalpie ist, läuft die Reduktion von Quarzsand mit Magnesium bei
exergonisch ab.
Begründung des exergonischen Ablaufs der Reduktion mit Kohlenstoff erst ab einer Grenztemperatur
Für die Reaktionsenthalpie gilt:
Für die Reaktionsentropie ergibt sich:
Somit ist und
Damit gilt für die freie Enthalpie in der Gibbs-Helmholtz-Gleichung:
Bei niedrigen Temperaturen überwiegt die positive Reaktionsenthalpie, weshalb die Reaktion endergonisch ist. Mit steigender Temperatur wird der Term immer größer, bis er schließlich ab einer Grenztemperatur überwiegt, sodass
und die Reaktion exergonisch ist.
Angeben einer Strukturformel des Trichlorsilan-Moleküls
Aufstellen einer Reaktionsgleichung für die Umsetzung von Rohsilicium zu Trichlorsilan
Kennzeichnen von Oxidation und Reduktion
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Oxidation: |
Silicium-Atome ändern ihre Oxidationszahl von |
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Reduktion: |
Wasserstoff-Atome ändern ihre Oxidationszahl von |
Aufstellen einer Hypothese zur Reaktionsenthalpie der Bildung von Trichlorsilan
Die Bildung von Trichlorsilan läuft bei bis
ab, wohingegen die Rückreaktion, also die thermische Zersetzung von Trichlorsilan, bei
bis
durchgeführt wird.
Daraus lässt sich die Hypothese ableiten, dass die Bildung von Trichlorsilan exotherm verläuft, da für die thermische Zersetzung, welche im Wesentlichen der Rückreaktion entspricht, sehr hohe Temperaturen erforderlich sind. Demnach ist die Rückreaktion vermutlich endotherm und folglich die Bildung von Trichlorsilan exotherm.
Aufstellen der Reaktionsgleichung
Erläuterung des Säure-Base-Konzepts nach Brønsted
Nach Brønsted sind Säuren Protonendonatoren und Basen Protonenakzeptoren. Fluorwasserstoff wirkt als Säure und gibt Protonen ab, während Sauerstoff-Atome des Siliciumdioxids diese aufnehmen, wobei Wasser-Moleküle entstehen. In wässriger Lösung (Flusssäure) überträgt Fluorwasserstoff außerdem Protonen auf Wassermoleküle, wobei Oxonium-Ionen und Fluorid-Ionen gebildet werden.
Berechnung des pH-Werts der Flusssäure
Für die beschriebene Flusssäure gilt:
Die Massenkonzentration beträgt somit Für die Stoffmengenkonzentration ergibt sich:
Für schwache Säuren gilt:
Beurteilung der Bezeichnung „Flusssäure“
Die Bezeichnung Flusssäure ist dahingehend problematisch, dass damit eine wässrige Lösung des Gases Fluorwasserstoff bezeichnet wird. Nach Brønsted sind jedoch die Fluorwasserstoff-Moleküle die Säure. Die Stoffkonzepte Reinstoff und Lösung werden vermischt. Die Bezeichnung Flusssäure ist zwar etabliert und gebräuchlich, aber nicht ganz präzise.